Diversität auf C-Level: Warum Inklusion ein Wettbewerbsvorteil ist

Artikel von/Article by
Annette Kunst

Laut einer Studie von McKinsey haben wir in Unternehmen 15 Prozent wahrscheinliche Outperformance bei Geschlechtervielfalt, 35 Prozent bei ethnischer Vielfalt. Solide Zahlen. Aber ehrlich gesagt: Die Frage ist nicht, ob die Zahlen exakt stimmen. Die Frage ist, warum die Grundaussage stimmig ist.

Die Antwort hat wenig mit Moral zu tun. Viel mehr mit Kognition. Ein Team, in dem alle ähnlich ticken, ähnlich sozialisiert wurden, auf ähnliche Netzwerke zugreifen — so ein Team entscheidet schnell. Nur: Diese Entscheidungen sind anfällig für blinde Flecken. Wer immer nur in denselben Kreisen unterwegs ist, übersieht Signale außerhalb. Das ist nicht böse. Das ist statistisch unvermeidbar.

Diverse Teams bringen unterschiedliche Perspektiven mit. Nicht nur unterschiedliche Biografien, sondern auch unterschiedliche Denkstile, unterschiedliche Risikoeinschätzungen, unterschiedliche Fragen. Genau das macht sie robuster. Sie sehen mehr. Sie zweifeln häufiger. Und in komplexen Situationen ist Zweifel oft klüger als Gewissheit.

Warum Homogenität sich selbst reproduziert

Führungspositionen werden meist über Netzwerke besetzt. An sich kein Problem. Wer jemanden kennt, kann dessen Arbeitsweise einschätzen. Nur: Netzwerke sind selten divers. Die meisten Menschen kennen vor allem Leute, die ihnen ähnlich sind. Gleiches Studium, gleiche Karrierestationen, gleiche Branche.

So reproduziert sich Homogenität, ohne dass es jemand böse meint.

Executive Search kann gegensteuern. Aber nur, wenn der Prozess darauf ausgelegt ist. Das heißt: strukturierte Suche statt reiner Netzwerkrekrutierung. Evidenzbasierte Kriterien statt Bauchgefühl. Und die Bereitschaft, Kandidatinnen und Kandidaten ernst zu nehmen, die nicht den klassischen Mustern entsprechen.

Wir bei RenovataCribb sehen das regelmäßig. Mandanten kommen mit einem Profil, das auf den ersten Blick klar wirkt. Aber wenn man nachhakt, stellt sich heraus: Viele geforderte Merkmale sind gar nicht zwingend. Manche sind einfach Gewohnheit. „Wir hatten immer jemanden mit Erfahrung in der Automobilindustrie.” Kann sinnvoll sein. Kann aber auch eine unnötige Einschränkung sein.

Genau da fängt unsere Arbeit an.

Unconscious Bias — das größte Hindernis, das keiner sieht

Unbewusste Vorurteile sind schwer zu greifen. Sie tarnen sich als rationale Argumente. „Der Kandidat passt nicht zur Unternehmenskultur.” „Die Kandidatin hat nicht den typischen Background.” „Wir brauchen jemanden, der sofort liefert.” Alles nachvollziehbar. Aber alle Sätze enthalten eine implizite Annahme: dass die bisherige Art, Dinge zu tun, auch die beste ist.

In dynamischen Märkten ist genau diese Annahme oft falsch.

Die Forschung zu Unconscious Bias ist inzwischen so robust, dass man sie nicht mehr ignorieren kann. Menschen bevorzugen Menschen, die ihnen ähnlich sind. Sie interpretieren Lebensläufe unterschiedlich, je nachdem, welches Foto oben steht. Sie bewerten Kommunikationsstile unterschiedlich, je nach Geschlecht oder Herkunft. Das ist keine Böswilligkeit. Das ist Mustererkennung. Und Mustererkennung ist nützlich, bis sie zur Falle wird.

Moderne Executive-Search-Prozesse setzen daher auf Standardisierung: strukturierte Interviews, klare Kriterien, vergleichbare Bewertungen. Nicht weil das menschlicher wäre, sondern weil es fairer ist. Und weil es am Ende bessere Ergebnisse liefert. Ein guter Headhunter ist nicht derjenige, der am schnellsten jemanden aus seinem Netzwerk zieht. Ein guter Headhunter ist derjenige, der systematisch sucht, methodisch vergleicht und den Mut hat, auch unkonventionelle Kandidaten vorzuschlagen.

Was RenovataCribb anders macht

Wir konzentrieren uns auf Führungskräfte in digitalen und dynamischen Märkten. Oft arbeiten wir für Private-Equity-Portfoliounternehmen, Scale-ups oder Mittelständler, die international wachsen. In diesen Kontexten ist Diversität kein Luxus, sondern ein Erfolgsfaktor.

Wir haben deshalb unseren Prozess so aufgebaut, dass Vielfalt systematisch mitgedacht wird. Das fängt beim Briefing an. Wir hinterfragen, welche Anforderungen wirklich zwingend sind und welche nur Gewohnheit. Es geht weiter bei der Suche. Wir schauen bewusst über etablierte Netzwerke hinaus. Und es endet bei der Bewertung. Wir setzen auf evidenzbasierte Verfahren, strukturierte Interviews und standardisierte Kriterien, um Vergleichbarkeit zu schaffen.

Ein Beispiel: Unser Executive Impact Assessment ist ein wissenschaftlich fundierter Auswahlprozess, der individuelle Potenziale sichtbar macht, auch wenn sie nicht den klassischen Karrieremustern entsprechen. Es geht nicht darum, Diversität um der Diversität willen zu erzeugen. Es geht darum, die beste Besetzung zu finden. Und die beste Besetzung ist nicht immer die naheliegendste.

Natürlich gibt es Grenzen. Kulturelle Passung ist real. Kommunikationsfähigkeit ist real. Führungskompetenz ist real. Aber oft werden diese Begriffe zu eng definiert. Wer sagt denn, dass jemand, der nicht den typischen Habitus hat, nicht führen kann? Wer sagt, dass jemand, der einen unkonventionellen Lebenslauf hat, nicht in die Unternehmenskultur passt?

Manchmal ist genau das die Person, die das Unternehmen voranbringt. Weil sie anders denkt. Weil sie andere Fragen stellt. Weil sie nicht Teil des Problems ist, sondern Teil der Lösung.

Diversität ist kein Risiko, sondern eine Investition

Die Datenlage ist eindeutig. McKinsey, BCG, das World Economic Forum: alle kommen zum gleichen Ergebnis. Diverse Führungsteams sind erfolgreicher. Nicht weil sie moralisch besser sind, sondern weil sie strategisch besser aufgestellt sind. Sie sehen mehr, sie hinterfragen mehr, sie entwickeln robustere Strategien.

Unternehmen, die das verstanden haben, behandeln Diversität nicht als PR-Thema, sondern als strategischen Imperativ. Sie investieren in Prozesse, die Bias reduzieren. Sie schaffen Strukturen, die Vielfalt fördern. Und sie arbeiten mit Partnern zusammen, die das ernst nehmen.

Wir verstehen uns als solche Partner. Nicht weil wir glauben, dass Diversität automatisch alles besser macht. Sondern weil wir wissen, dass sie in den richtigen Händen ein Wettbewerbsvorteil ist. Und weil wir die Methoden haben, um das systematisch umzusetzen.

Was das für die nächste Generation von Führungskräften bedeutet, wird sich zeigen. Aber die Richtung ist klar. Exzellenz sieht anders aus als vor zwanzig Jahren. Und wer das nicht mitdenkt, verliert nicht nur Talente, er verliert auch Wettbewerbsfähigkeit.

Quellen:

  • McKinsey-Studie „Diversity Matters “- 2015: +15 % wahrscheinliche Outperformance bei Geschlechtervielfalt, +35 % bei ethnischer Vielfalt.
  • BCG-Studie – 2018: Kleine Veränderungen im Diversitätsmix führen zu mehr Innovation und besserer finanzieller Performance.
  • WEF-Bericht „Diversity, Equity and Inclusion Lighthouses 2025: Best-Practices diverser Teams.
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